Ägyptens neue Hauptstadt:
Herrschende Klasse im Wahn
Ägypten hat offiziell eine neue Hauptstadt, die schlicht "Capital City" genannt wird. Sie liegt 60 Kilometer östlich von Kairo in der Wüste und ist für sechs Millionen Einwohner geplant. Die Baukosten belaufen sich auf 60 Milliarden US-Dollar – inklusive Regierungsgebäuden, Wohnanlagen und einem 1000 Meter hohen Turm, der das höchste Gebäude Afrikas werden soll.
Einige Ministerien sind bereits umgezogen, doch die Mieten und Kaufpreise in der neuen Stadt sind selbst für die verhältnismäßig gut verdienenden Regierungsangestellten viel zu hoch. Sie werden täglich mit Hunderten Bussen aus Kairo zur Arbeit gebracht und abends wieder zurückgefahren. Luxuriöse Hotels und Restaurants gibt es in der Stadt zwar, sie sind jedoch praktisch leer.
Ein ähnliches Beispiel einer künstlichen, aber toten Stadt ist "Neu-Kairo", das einst für fünf Millionen Menschen geplant war, heute aber nur rund 300.000 Einwohner zählt – weil alles für die meisten Ägypter viel zu teuer ist.
Auch nach dem Sturz des Diktators Mubarak herrscht in Ägypten weiterhin das Militär, das alle großen Firmen kontrolliert oder besitzt. Die Baufirmen und Konzerne des Militärs machen mit dem Bauboom große Profite – doch eine nachhaltige Zukunft hat dieses Modell nicht. Die Baukosten werden über Kredite der Regierung finanziert, aber die Ägypter verfügen über viel zu geringe Einkommen, um sich die Wohnungen und das Leben in den neuen Städten leisten zu können. Ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der Existenzminimalgrenze, die in Ägypten ohnehin sehr niedrig angesetzt ist.
Die Finanzierung, die auf Vermietung und Verkauf der Immobilien basiert, ist daher bereits heute als gescheitert zu betrachten. Hinzu kommt die heraufziehende globale Finanzkrise: Kredite werden schwerer und nur zu höheren Zinsen vergeben – das trifft nicht nur die Bauträger, sondern schreckt auch potenzielle Käufer ab.
Die Ägypter brauchen dringend Wohnraum, doch im kapitalistischen System kann dieses Problem nicht gelöst werden. Eine neue Revolution in Ägypten müsste daher antikapitalistisch sein, die herrschende Klasse entmachten und ihr System ersetzen. Mit einem guten bedingungslosen Grundeinkommen, einer Begrenzung von Vermögen und Einkommen nach oben, einer bedarfsgerechten Produktion und Verteilung der Güter sowie Demokratie auf allen Ebenen könnte es den Menschen auch in Ägypten besser gehen.
Redaktion Afrika, Ägypten, 27.8.2026 Wir empfehlen auch dieses Video mit dem Reisebericht in Ägyptens neue Hauptstadt: https://www.youtube.com/watch?v=2yPqyIWgHrM